Gestern war unser Nationalfeiertag, wie üblich mit viel Lärm durch Böller und Knaller. Um den Tag sinnvoll zu verbringen bin ich mit einem guten Kollegen aus der Firma eine richtig heftige Tour gefahren. Die Montafon Tour3 aus dem Mountain-Bike Special “Die 50 schönsten Touren”, hat sich vielversprechend angehört und so haben wir uns entschieden eine Runde zu drehen.
Am Morgen sind wir nicht all zu früh los, um ca. halb Zehn sind wir in Vandans angekommen. Die Fahrt von St. Margrethen nach Vandans geht hauptsächlich über die Autobahn(Pickerl!) und so ist man in ca 40-50min im Montafon. Ausgerüstet mit der “Roadmap” aus dem Magazin haben wir doch noch einen Einheimischen nach dem Weg gefragt. Er hat uns den Einstieg erklärt und noch darauf hingewiesen das die Strecke für Bikes verboten sei, dass es aber unsere Sache sei was wir machen.
Der erste Anstieg zum Taleingang war knackig, jedoch auf Asphalt, was die 20% ein wenig gemildert hat. Ein paar Kilometer flaches Einfahren wären aber durchaus ratsam gewesen. Der Eingang war mehr oder weniger ein grosser Kiesplatz, wo wir auch gleich nochmals die Karte studiert haben. Ein Wegweiser mit der Aufschrift “Rellstall” war schnell gefunden, doch nach ca 5 min Fahrt mussten wir bereits absteigen und schieben, weil der Weg derart steinig und steil war. Uns kam der Gedanke das wir Falsch sind, denn auf der Map stand etwas von einer Geröllstrasse. Nach weiteren 10 Minuten war uns klar, wir hatten uns elend verfahren, doch die geschobenen und getragenen 400hm wollten wir nicht hergeben also würgten wir uns ganz nach Oben. Auf einer Kiesstrasse studierten wir eine lokale Wanderkarte. Die Einsicht das wir uns total verfahren hatten und wieder runter durften wurde mit einem “haha, jetzt sind wir immerhin eingefahren” gemildert.
Wieder am Ausgangsort angekommen fiel unser Blick auf einen anderen Wegweiser, welcher uns in die andere Richtung lenkte. Die beiden grossen Verbotsschilder für Fahrräder gaben uns die Sicherheit das wir auf dem richtigen Weg sind. Die steile Kiesstrasse führte uns ca. 600hm nach oben. Einige male musste ich anhalten um kurz durchzuatmen und einiges an Wasser aufzunehmen. Mit ca 27 Grad und stahlblauem Himmel hatten wir uns einen super Tag ausgesucht, jedoch wären mir in diesem Moment ein paar dunkle Wolken lieber gewesen
. Mit ca. 1000hm in den Beinen sind wir Mittags auf der ersten Hütte angekommen. Der Alpgasthof Rellstall war ein gemütliches Plätzen um ein wenig zu auszuruhen und ein gutes Stück Zwetschgen-Kuchen zu essen. Zu unserem Glück gab es auch einen Brunnen an dem wir unsere Trinkblasen und Flaschen wieder füllen konnten. Die 2.5Liter waren einfach zu schnell leer und der Schweiss tropfte permanent von der Stirn.

Auf dem Weg trafen wir noch ein Pärchen und erkundigten uns nach dem Weg und der Fahrbahn. “Naja, sind schon nochmal so viele hm und n Stück tragen müssts ihr auch, aber des geht schon, je nach dem wie fit ma is” erklärte uns der freundliche Biker. Für uns hörte sich das ganz gut an und wir fuhren den gemütlichen Weg richtung Zaluanda-Alpe und Schweizertor. Der Weg war eine ganze Weile sehr angehnem und mit ca 10-16% Steigung gut fahrbar. Es ging jedoch nicht lange bis wir an der beschriebenen Tragepassage angekommen waren. Das Fahrrad geschultert, marschierten wir den steilen und unwegsamen Pfad nach oben. Ein typisch alpiner Wanderweg, der mit Wanderausrüstung sicherlich auch ein rechter Genuss ist, doch mit Fahrradschuhen und einem Bike auf dem Rücken sieht die Sache ein bischen anders aus. Nach ca 50min tragen, rasten, tragen, sind wir am Schweizertor angekommen.

Der Ausblick war eine Wucht, sowohl der Steile weg auf dem wir gekommen waren, wie auch die Aussicht über die schweizer Gipfel vermittelten einen gewissen Respekt. Die Sonne knallte immer noch erbarmungslos auf unsere verschwitzen Häupter und so brachen wir zum höchtsten Punkt auf. Natürlich war dieser nur per schieben und tragen des Fahrrads zu erreichen, doch die 20min mit Blick auf das Ziel waren kein Problem mehr. Angekommen auf dem Öfenpass genossen wir noch ein paar Minuten die super Aussicht von 2300m Höhe.

Ein Blick in die Wegbeschreibung verrsprach uns eine “technische Abfahrt” zur Lindauer-Hütte. Hätte ich den Autor dieser Beschreibung vor mir gehabt, ich hätte ihn glatt erwürgt. Vieleicht tu ich ihm auch unrecht, es könnte ja sein das “technische Abfahrt” für “tierisch steilen unfahrbaren Wanderweg” steht. An fahren war nicht zu denken! Natürlich konnte man auf Teilstücken kurz aufsitzen. Doch mein erster und letzer Versuch endete mit einem Absprung vom Rad, als ich fast den Berg runter stürzte. So kam es, dass wir das Rad weitere 15min getragen haben, bis wir wieder auf einem fahrbaren Pfad angekommen waren.
Angekommen in der Lindauer-Hütte gönnten wir uns eine rechte Mahlzeit und ein kühles Radler. Für glatte 8 Euro ass ich einen Fitnessteller mit Poulet-Streifen auf einem grossen gemischten Salat. Der Teller war wirklich gut beladen und für 8 Euro hätte ich definitiv weniger erwartet. Auf Hütten in der Schweiz kriegt man für 12 Franken vieleicht einen kleinen Teller Nudeln. Kein Wunder, dass die Hütte genagelt voll war.
Gestärkt machten wir uns an die vielversprechende Abfahrt von 1800m auf ca 600m. Dieser “Downhill” war wie geschaffen für mein CC-Bike. Viel Kies und Schotter, einige grobe Steine und tolle enge Kurven. Ziemlich zügig, heizten wir den Berg runter. Die “Drifts” durch die engen Steilkurven machten richtig Laune und man musste aufpassen nicht all zu übermütig runter zu brettern. Auf dem Weg trafen wir viele Touristen und Wanderer und da traf mich fast der Schlag. Sie lachten und grüssten, hüpften freiwillig aus dem Weg, sogar ein paar lockere Sprüche fielen. Das pure Gegenteil der Schweiz.
Unten angekommen waren wir zwar ziemlich fertig, aber auch zufrieden über die erbrachte Leistung. 2000 Höhenmeter auf ca 32 Kilometer ist eine passable Leistung bei ca 5h fahren, tragen und stossen. Nur eine Kleinigkeit hat gefehlt. Die Sonnencreme! Ich hab mir Gesicht, Nacken, Knie und vor allem die Arme tierisch verbrannt. Eigentlich sollte man es ja langsam wissen, aber an die Sonnencreme denke ich einfach immer zuletzt. Mit einer Menge After-Sun Lotion probiere ich das Schälen der Haut zu verhindern, vom Brennen und Jucken ganz zu schweigen.

Fazit: Trotz den langen Trage- und Schiebepassagen ist es eine super Tour. Auf meiner Fitness-Skala kriegt die Tour glatte 8 von 10 Punkten, den Muskelschmalz ist definitiv gefordert. Aussicht und Natur sind ist ganz typtisch für so eine alpine Tour, wunderschön. Was haben wir bei der ganzen Tour gelernt? Karten genaustens studieren, Höhenkurfen prüfen Sonnencreme Faktor 50 einpacken