Schon wieder ist über eine Woche vergangen seit ich meine Füsse auf heimatlichen Boden gestellt habe. Wie herrlich war der Moment als ich in Zürich aus dem Flieger gestiegen bin und mein Vater mich begrüsst hat. 15 Monate war es her als ich meine Familie das letzte mal persönlich gsehene habe. Der erste Atemzug in Schweizer Freiheit war eine Wohltat, klare kalte Luft, fast als ob ein unsichtbarer Widerstand verschwunden wäre und das atmen leichter geworden wäre. Doch das eigentliche Stichwort ist „kalt“, an 34° gewohnt habe ich die ersten Tage ohne Übertreibung frierend verbracht. Socken, Pullover und Trainerhosen waren wieder Pflicht um bei etwa 10 Grad Lufttemperatur über die Runden zu kommen.
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Nach viel Regen und partiellem Schneefall brach auf einmal die Sonne durch. Das Thermometer versprach etwa 8 Grad und ich war mir sicher das bei anhaltendem Sonnenschein sogar 10 Grad nicht ganz unwahrscheinlich sein würden. Der Entscheid noch eine Runde zu drehen war in anbetracht der grosszügigen Ostermenüs schnell gefestigt und der Griff zu den kurzen Trägerhosen war ebenso selbstverständlich.
Der erste Schritt aus der Garage war ein wenig kühler als ich erwartet hatte. Ich rieb meine Beine warm und redete mir ein das es sicher besser würde sobald ich in Bewegung bin. Tatsächlich wurde ich langsam warm, aber schon nach den ersten 100hm sah ich den ersten Schnee, was mich geistig wieder abkühlte.
“Jetzt nicht weich werden!” feuerte ich mich an und klopfte mir geistig auf den Rücken. Eisern kämpfe ich mich den Berg hoch bis ich schliesslich wirklich fror und der Griff zur Gore Jacke unausweichlich wurde. Die 10cm Schnee schienen mir die Wärme aus den Füssen zu ziehen und ich war geneigt noch einen Gang höher zu schalten um so schnell wie möglich ans Ziel zu gelangen.
Oben angekommen wurde ich von dick eingepackten Spaziergängern schräg beäugt. Man schüttelte den “bemützten” Kopf oder lachte auch mal mitfühlend. Als ich auf dem Aussichtspunkt zu einem Schluck aus der eisigen Trinkflasche abstieg, hörte ich im Hintergrund: “Was für ein Idiot!”, ich drehte mich um und sah den mitte Vierziger an. Dieser, offenslichtlich überrascht von meinem Gerhör, drehte sich ebenfalls blitzschnell um und fing umgehend ein Gespräch mit seiner Begleiterin an.
Natürlich hatte er nicht ganz unrecht. Nein, er hatte sogar absolut recht! Auf der Abfahrt freute ich mich erst noch über den aufspritzenden Schnee und das übertriebene Kurven-Driften, doch als die Beine langsam Nass waren und der Schlamm in mein Gesicht stob wusste ich was für ein Trottel ich wirklich war.
Der Fahrtwind stach in die Beine bis diese fast Taub vom Sattel hingen und das Schlamm-Wasser tropfte von meinem Kinn. Ich bremste immer wieder um kräftig in die Pedale treten zu können, um wenigstens ein bischen Muskelwärme zu erzeugen.
Zuhause angekommen verschwendete ich kaum Zeit, noch ein Photo meiner geschundenen Beine und ab unter die Dusche. Den restlichen Nachmittag war ich fix und fertig. Die Kälte hat viel Energie gezogen und war mir eine Lehre an der Bekleidung zu sparen
Trotz angeschlagenen Handgelenken musste ich mich am Samstag einfach auf das Rad setzen. Die milden 10 Grad und die neue Hardware schrien förmlich nach einer Testfahrt. Top motiviert bin ich in Richtung “Fünf Länderblick” aufgebrochen.
Der Waldboden, immernoch Nass und schlammig, konnte dem Conti Mountain King nichts anhaben. Der Reifen fährt sich bei niederem Druck (2.2 bar) sehr rund und “klebt” kaum. Grundsätzlich fühlt er sich griffiger an als der Nobby Nic, jedoch bin ich schon lange keinen “frischen” Nic mehr gefahren und möchte diesen Eindruck zuerst ein bischen reifen lassen.
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8 Grad, “recht kühl”, sage ich mir und schwinge mich wieder vor den Rechner im warmen stickigen Zimmer. Nach einer Stunde zocken sticht mich ein schlechtes Gewissen. Die Sonne blendet mich durch den Rollladen und ich wage doch noch einen Blick auf das Thermometer. “Verdammt, schon 10 Grad”. Ich fühle mich irgendwie schuldig und spaziere in die Garage. Bis auf den Luftmangel in den Reifen steht mein Bike bereit. Soll ich , soll ich nicht, ich zögere noch. Trotz der gewissen Wochenend Müdigkeit, suche ich die Radklamotten raus, mache mir eine Flasche Iso-Gesöff bereit und sattle den Gaul.
Oh ja, dass hatte ich vermisst! Schon die ersten Kurbelumdrehungen erinnerten mich daran warum mir dieser Sport so gefällt. Die Sonne wärmte meine schwarze Jacke und der kühle Wind zog mir über das Gesicht.
Im Oktober hatte ich noch ca. 33 min. für den Fünfländer Anstieg. Diesmal brauchte ich ganze 48 min. bis ganz nach Oben. Keine Frage, ich habe geschwitzt, gekeucht und gehustet. Aber trotz der Anstrengung bin ich positiv überrascht wie viel meiner Kraft noch übrig ist, nachdem ich 3 Monate keine Finger gekrümmt habe.
Oben angekommen bot sich mir ein ungewohntes Bild. Menschenmassen, in einer Dichte wie ich sie bei einem Pop-Konzert erwarten würde. Wie es scheint hatte nicht nur ich ein schlechtes Gewissen
. Ich habe mich durch die Leute geschlängelt, mich in die Sonne gesetzt und die Aussicht genossen. Ein passender Lohn für das besiegen des inneren Schweinehunds. Mal sehen ob ich ihn Heute wieder bezwingen kann.