Tag 1 meiner Langzeit Ferien. Ich stehe nicht zu spät auf und geniesse den Morgen. Top motiviert durch das sonnige Wetter beschliesse ich gleich nach dem Mittag eine “kleine” Tour zu fahren. Die übliche St. Anton-Strecke soll reichen, soweit mein Plan. Meine Ausrüstung war wie üblich der Strecke angepasst. 1-mal Gel, 7,5dl Gesöff, Riegel brauch ich keinen, hatte ja gerade Mittagessen.

Mein Plan ging eigentlich ganz gut auf. Ich bin in eher ruhigem Tempo zum Anton gefahren und habe da mein Gel verdrückt. Wie schon einmal habe ich beschlossen den Rückweg über Altstätten zu fahren, viel Strasse und hohe Trittfrequenz auf der nahezu flachen Strecke. Auf der Abfahrt konnte ich glücklicherweise auf einen flowingen Trail ausweichen (Beschildert!).
In Au angekommen entscheide ich mich spontan nach Walzenhausen zu fahren, den irgendwie hatte ich im Gedächtnis man käme über diese Stadt in Richtung Thal. Schon im Steilen Anstieg merke ich das die Kräfte nicht mehr ganz so da sind und sich der Bidon schnell leert. Im nächsten Dorf mache ich mich auf die Suche nach einem Brunnen, ohne Erfolg. Bei einem Abstecher in eine Seitengasse winkt mir eine alte Frau, ich nutze die Gelegenheit und frage ob es hier einen Dorfbrunnen hat.
Ich erschrecke als sie mich am Arm packt und wirres Zeug quaselt. Zuerst dachte ich sie spricht eine fremde unverständliche Sprache aber als ich brocken wie “so ein hübscher…” verstehe, wird es mir ein wenig unheimlich und ich wiederhole meine Frage. Sie erwidert dass sie gerade Ameisen und Schecken aus dem Garten entfernt hat. Kein Zweifel die ist Irre “Also sie können mir nicht helfen hä, Adieu!”. Ich schüttle ihre Hand von meinem Arm und trette kräftig in die Pedale.

Ich fahre von Kuh-Kaff zu Kuh-Kaff und habe ein echtes Loch im Magen. Der ständige Gegenwind verhindert ein zügiges vorankommen und ich benetze meine schon ein wenig spröden Lippen mit dem letzten Tropfen aus der Flasche. Zweifellos hätte ich umdrehen können, auf jeden Fall hätte ich am Bahnhof in den Zug steigen können. Doch mal ehrlich, sowas macht man nicht.
Gerade als ich in einem Garten einen Wasserhahn entdecke und da einbrechen will, erspähe ich einen Kirchenturm. Zweifellos hat es in 90% aller Fälle einen Brunnen bei der Kirche und auch diesmal traf ich ins Schwarze. Ich hab zwar immer noch Hunger aber immerhin ist der Durst gelöscht. Ich spiele mit dem Gedanken eine Dorfbeiz zu suchen, doch als ich auf dem Weg Ausschau halte sehe ich ein Schild welches mich nach Heiden leitet. Ein Glück ich habe es fast geschafft. Die Kraft ist weg und den restlichen Weg bringe ich mehr schlecht als Recht hinter mich. Zu wenige Pausen, zu viel Tempo und mangelhafte Ausrüstung haben mich ziemlich zermürbt. Das Abendessen hat jedenfalls fantastisch geschmeckt!
Rorschach-Fünfer-Grub-Heiden-Kaien-St.Anton-Altstätten-Heerbrugg-Au- Walzenhausen-Wolfhalden-Heiden-Grub-Fünfer-Rorschasch
70km , 2450hm, 4h