Der Wecker meines Mobiltelefons weckt mich mit dem üblichen Metalgearsolid piepen und zuerst bin ich mir nicht einmal sicher warum, es ist doch Sonntag. Nach einigen Sekunden der Schlaftrunkenheit fällt es mir wieder ein, die grosse Serverwartung erwartet mich. Langsam aber sicher mache ich mich auf den Weg ins Büro. Das Thermometer zeigt gerade mal 8 Grad an und der leichte Regen lässt mich schaudern, was tu ich mir da wieder an?
Der Zug ist wie zu erwarten an einem regnerischen Sonntagmorgen komplett leer. In Heerbrugg erwartet mich bereits das erste Ärgerniss, der Bahnhofskiosk ist erst ab 7:30 geöffnet und ich komme natürlich genau um 7:15 an, keine Gipfel und kein Sandwich, ein toller Start in den Tag. Im Büro angekommen entscheide ich mich die Jacke erst gar nicht abzulegen, es ist saukalt und ich starte alle Rechner die ich finden kann, vielleicht geben die noch ein bischen Wärme ab doch ehrlich gesagt wage ich das zu bezweifeln, verdammte Stromspar-Prozessoren! Nach zwei Wochen wasche ich endlich mal meine Kaffeetasse und drücke den Knopf um mir etwas des braunen Gold in die Tasse fliessen zu lassen.
Ächzende Geräusche entweichen der Kaffeemaschine in Industrieausführung. Nach ein paar Sekunden entweicht etwas Dampf durch die Düsen und der Kaffe tropft, nein wirklich einzelne Tropfen, in meine Tasse. Aussichtslos, so kriege ich das Ding nie voll. Die Meldung auf dem Display “Wartung erforderlich” habe ich schon am e rsten Tag gesehen als ich wieder hier war. Wie kann man die Grundfeste eines jeden Betriebes so vernachlässigen, kein Kaffee, keine wachen Mitarbeiter. Der zähflüssige schwarze Trunk der sich nun in meiner Tasse befindet ist absolut ungeniessbar und ich mache ein Schweppes Gesicht als ich den Geschmackstest vollziehe, prädikat unverträglich, Säure mit leichten Kaffeearomen im Abgang.

Mit Selecta-Plastikbecherkaffee im Magen starte ich meinen Update-Rundlauf. Nach nicht einmal zwei Stunden habe ich 5 von 6 Server erfolgreich Aktualisiert und kann mich dem Gipfel meiner Aufgaben widmen, dem Produktiven ERP System. Das grosse Finale sozusagen, wenn etwas schief geht, dann auf dieser Kiste, auf keiner Anderen sind so viele Änderungen fällig und mit der Anzahl der Updates steigt auch die Wahrscheindlichkeit für Zwischenfälle.
Natürlich blieben diese auch nicht aus und gestallteten meinen Morgen noch etwas spannender. Genau beim Firmwareupdate der Netzwerkkarten konnten diese nicht mehr aktiviert werden und per Konsole konnte ich nur noch den Prozess abwürgen. Auf Glück hoffend habe ich die Kiste einmal durchgestartet und wurde nicht enttäuscht, alles funktionierte wieder und das erwartete Disaster blieb aus. Meine Patienten blieben am Leben und so konnte ich mich für den Rest des Tages gemütlich in die Sonne legen.
Schon wieder ist über eine Woche vergangen seit ich meine Füsse auf heimatlichen Boden gestellt habe. Wie herrlich war der Moment als ich in Zürich aus dem Flieger gestiegen bin und mein Vater mich begrüsst hat. 15 Monate war es her als ich meine Familie das letzte mal persönlich gsehene habe. Der erste Atemzug in Schweizer Freiheit war eine Wohltat, klare kalte Luft, fast als ob ein unsichtbarer Widerstand verschwunden wäre und das atmen leichter geworden wäre. Doch das eigentliche Stichwort ist „kalt“, an 34° gewohnt habe ich die ersten Tage ohne Übertreibung frierend verbracht. Socken, Pullover und Trainerhosen waren wieder Pflicht um bei etwa 10 Grad Lufttemperatur über die Runden zu kommen.
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- Mike
10 Jahre lang bin ich fast jeden Tag zwischen Rorschach und Heerbrugg gependelt. 10 Jahre entsprechen etwa 1560h im Zug sitzen, lesen, grübeln und beobachten. Das ist jetzt vorbei, mindestens für eine ganze Weile
Ich verlasse nach 10 Jahren den Innopark und obwohl ich den Satz nie verwenden wollte und eigentlich ganz grässlich finde, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Er passt halt eben doch genau ins Bild.
Ich lache weil ich mich wahnsinnig auf die Reise freue und mir noch gar nicht ausmalen kann wie mich dieser Trip beeinflussen wird. Ich lasse das bequeme hinter mir, breche die Brücken ab und sehe mich nach etwas frischem um. Für meine Verhältnisse ungewöhnlich und daher zusätzlich spannend. Das grosse Unbekannte!
Eine Hälfte weint, weil ich langjährige Freunde und Arbeitskollegen verlassen muss. Auch mit den meisten Kunden bzw. Benutzern habe ich ein angenehmes und freundliches Verhältnis gepflegt, welches ich definitiv nicht für selbstverständlich halte. Glücklicherweise ist man in heutigen Tagen nie ganz “ab der Welt” und kann den einen oder andern Kontakt bequem aufrecht halten.
Na dann, Goodbye Escatec!
-Mike
…USB Kabel für die Kamera, Ipod Kabel, zwei mal Strom, Ladegeräte und noch der Notebook. Wenn ich diesen Haufen moderner Helfer ansehe, kommen mir echte Zweifel, dass das Gesamtgewicht von 20KG deutlich unterschritten werden kann.

Aller I-Crap kommt auf ein Gesamtgewicht von 5KG. Ich sage mir jetzt einfach mal das all dieses Zeug ja für zwei Personen zählt und somit wieder in den vertretbaren Rahmen rutscht. Jeder echte Globetrotter würde mich vermutlich schon aufgrund des Notebooks verachten und nach dieser Kabel-Orgie natürlich sowieso. Ich bin ein IT Kind und kann auf diese Gadgets einfach nicht verzichten. Ich wage sowieso zu behaupten das aufgrund der weltweiten Internetabdeckung ein Notebook zur std. Ausrüstung gehören sollte. Früher hätte sich diese Frage nicht gestellt, ausgenommen man campiert ausschlisslich in Grosstädten, heute ist es nur noch eine Frage der persönlichen Präferenz. Ein Notebook ist auf jeden Fall mal nützlicher als ne Hippi Trommel.
Mit meinem kleinen 12″ bin ich jedenfalls sehr zufrieden und hoffe das er mir nicht schon in den ersten 2 Monaten geklaut wird. Sollte ich in den ersten Monaten Herausfinden das ich Zeug mitschleppe das völlig unnütz ist und nicht gebraucht wird, scheue ich mich nicht es für ein Bier zu verhöckern oder einfach zu verschenken.