Night Ride
Ich geniesse meine ersten Ferientage und vor lauter Entspannung, kommen mir spitzen Idee. Am 28. ist Vollmond, also sollte schon Montags einiges an Mondlicht den dunklen Wald aufhellen. Warum nicht mal Nachts auf eine kleine Fahrt gehen?
Damit ich nicht meinen neuen Flitzer verschandeln muss, habe ich mein Giant wieder ausgegraben und mit den Sigma Scheinwerfern ausgerüstet. Zusätzlich habe ich eine kleine Lampe angebracht, welche jedoch mehr unnütz war als etwas anderes denn die Batterien waren schon ziemlich alle. Um die Fahrt noch nützlicher zu gestalten habe ich meine ganze Fotoausrüstung eingepackt. Stativ, Kamera und Objektive etwas zu trinken und natürlich den dicken “Full Face” Helm, man kann ja nie Wissen.
Wie erwartet war das einiges an Gewicht, was sich auch beim ersten Aufsitzen bemerkbar gemacht hat, als der Dämpfer zur hälfte einsackte und ich wie auf einem Chopper zurückgelehnt den Berg hoch kurbelte. Der Sattel drückte an unangenehmen Stellen und ich war mir nicht sicher ob ich so überhaupt bis nach Oben komme. Schon die ersten hundert Meter waren richtig anstrengend, man ist sich so viel Gewicht einfach nicht mehr gewohnt.
Durch den Wald schlängelte ich mich auf dem Kiesweg Richtung “Gipfel”. Um den Akku der Scheinwerfer zu schonen habe ich nur das kleine Licht verwendet, ein kleiner erhellter Punkt vor mir wurde zu meinem einzigen “Lichtblick”. Teilweise war es wirklich absolut dunkel, wenn sich die Baumkronen wie ein Dach über den Weg gelegt haben. Das ständige rascheln und knistern im Unterholz erzeugten bei mir eine gewisse Nervosität.
Auf einmal wird es heller und heller, ich komme an einen Weg mit direkter Sicht auf den Himmel. Der Mond schlich sich hinter ein paar Wolken hervor und beleuchtete meinen Pfad mit einem dumpfen weiss grauen Schein.
Auf dem Fünfländerblick angekommen bietet sich mir ein wirklich herrliches Bild. Ein Lichtermeer welches sich von Rorschach bis nach Arbon erstreckt. Hinter mir der volle Mond, immer wieder verschleiert durch kleine graue Wolkenfetzen. Eine wirklich friedliche und beruhigende Atmosphäre.
Ich habe einige Fotos geknipst und den Ausblick genossen. Auf dem Hügel traf ich noch einen Angestellten vom Restaurant Fünfländerblick. Wir quatschten ein wenig über die Arbeit und sonstigen unsinn. Plötzlich sagt er “Willst du kein Foto machen, da brennts?!”. Ich schrecke auf und mein Blick schweift über das Lichtergewirr unter uns. Verdammt es hat tatsächlich gebrannt, eine riesige Flamme war erkennbar und eine Rauchsäule welche sich bis zum See erstreckte. Zuerst rätselten wir ob das wohl eine Übung der Feuerwehr sei, aber nach ein zwei Minuten Blitzen überall kleine blaue Lichter auf, was uns die gewissheit gab das es ein Ernstfall war. Ich schoss unzählige Bilder. Eigentlich hätte ich gleich einer Redaktion anrufen sollen, vieleicht hätte ich die Bilder sogar verhöckern können. Das Feuer brannte über 20min, bis es stetig kleiner wurde.
Um viertel vor Elf machte ich mich auf den Weg nach Hause. Helm auf, Scheinwerfer an, es ist Showtime! Der Boden verzieht sich allmälich zu einer kleinen gelb-weissen Bahn. Ich surfe hochkonzentriert durch die Kurven. Steine und Wurzeln sind kaum einzuschätzen. Mein Puls war vermutlich höher als beim Aufstieg. Ich kenne den Weg wie meine Hosentasche, doch bei Nacht nützt dieses Wissen nicht all zu viel. Ich hatte Zuhause zwar versprochen langsam zu fahren, doch daran halten konnte ich mich nicht, denn ich hatte ganz vergessen wie viel Spass mein altes Rad macht. Es gab grundsätzlich nur zwei Probleme, Füchse welche direkt vor einem über die Strasse schnürten und die Tatsache dass die Scheinwerfer nur gerade aus Leuchten, was in engen Kurven einen zusätzlichen Nervenkitzel verursacht.
Ich vermeide folgende Worte normalerweise bewusst, doch verdammt, dass war DER Kick! Unten angekommen verpasste mir der erhöhte Serotonin und Adrenalin Pegel ein breites Grinsen. Das mache ich wieder mal!

